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Lomnice

Lomnice

Lomnice bei Tišnov ist ein Städtchen, das nicht nur durch sein Schloss und Barockkirche, sondern auch durch seine Denkmäler sehenswürdig ist, die an jeweilige jüdische Gemeinde erinnern. Diese gab es hier mehr als 200 Jahre. Der Stadtkern wurde in der zweien Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Entwurf des Wiener Architekten C. P. Tencally umgebaut.

Das altertümliche und sehr malerische Lomnice, das mit seinen Dreizehnhundert Bewohnern lediglich ein Städtchen ist, kann, ohne zu übertreiben, Hauptstadt des Berglandes Sýkořská hornatina genannt werden. So wird mit Recht der mit seinem Relief sehr gegliederte Rand des Böhmisch-Mährischen Hügellandes mit seinem höchsten Berg der Region Tišnovsko Sýkoř (704 m) genannt, der sich nur ein paar Kilometer nördlich Lomnice emporragt. Der schönste Weg in die Kostel Stadt schlängelt sich flussabwärts des „goldhaltigen“ Baches Besének durch Lomnička und Šerkovice und weiter durch ein tiefes mit Waldbestand bedecktes Tal, das einst als Schlossgehege genutzt wurde.

Die Pfarrkirche Mariä Heimsuchung ist ein einschiffiges Gebäude mit Kapellen und zwei Türmen. Diese wurde im Frühbarockstil nach einem Tencall-Projekt von den Baumeistern Pavel Weinberger und Jan Křtitel Erna erbaut.

Radnice

Das Rathaus zu Lomnice, Sitz des Gemeindeamtes, verfügt über einen Obergeschoss und einen Turm. Dieses Rathaus erinnert an die Periode des Gemeindemittelumbaus nach dem Tencall-Entwurf. Im Rahmen der 1928 vorgenommenen Ausbesserungsarbeiten wurde der Turm mit Zinnblech versehen und angestrichen. Die letzte größere Instandsetzung dieses Gebäudes erfolgte im Jahre 1994.

Das der Bevölkerungszahl nach mäßige Dorf Lomnice verfügt über mehr historische Denkmäler und weitere Sehenswürdigkeiten als jede größere Stadt. Zuerst das mächtige Geschlecht der Herren aus Lomnice mit einem Adlerflügel im Wappen, danach das Geschlecht von Žerotín und seit 1662 das dem Ursprung nach ungarische Geschlecht der Serenyi prägten nicht nur das Erscheinungsbild ihren Hauptsitzes – des Schlosses Lomnice, das durch den Umbau einer ursprünglich im gotischen Stil erbauten Burg entstanden ist, sondern auch das ausgefeilte Bild des gesamten Städtchens. Unverwischbare Spuren hat hier auch die eigenartige Kultur der Judengemeinde hinterlassen. Nicht nur durch den Renaissanceschloss mit einer Parkanlage, Barockkirche (die einzige zweitürmige Kirche in der Region Tišnovsko), Rathaus, formgemäß ungewöhnlich mannigfaltige Statuengruppe auf der Pestsäule, Judensynagoge sowie Friedhof, sondern auch durch eine ganze Reihe von weiteren Artefakten wird Lomnice zu einem außergewöhnlichen Standort. Es ist wenigstens die stilechte Barockkapelle st. Anton von Paduan, eine sich in einer Nische der ehemaligen Bierbrauerei befindende ausgelassene Statue des Bierkönigs Gambrinus aus der Hand des Bildhauers J. Břenek aus dem Jahre 1856 (wohl einzige Statue dieser Art in der bierliebenden Tschechischen Republik) sowie ein Bildrahmen, der aufs Grabmal auf dem Grab des Malers Bohumír Matal hinweist, zu nennen. Zum Urheber dieses Grabmals wurde einer der führenden tschechischen Bildhauer Vladímír Preclík.

Die ursprünglich im gotischen Stil erbaute Burg aus dem 13. Jhd. wurde später ein paar Mal umgebaut, bis sie das Erscheinungsbild des derzeitigen Schlosses erhielt. Zu den ältesten Bauwerkteilen gehören die Vorderfront mit einem gotischen Turm sowie die Burgkapelle. Die Renaissancezeit hinterließ hier Erdgeschoßarkaden auf dem ersten Hofplatz sowie das Portal vor dem Haupteingang und auch der im Barockstil vorgenommene Umbau spiegelt sich hier in verschiedenen Bauelementen bis heute wider.

Synagoga

Die im Spätbarock 1780-1785 errichtete Judensynagoge, die sich auf dem ursprünglichen Judenplatz befindet, schließt sich einem älteren Oratorium an. Nach der Aussiedlung der jüdischen Bevölkerung wurde diese Synagoge zu diversen Zwecken verwendet, wobei sie erheblich verkam. Nach der Wiederherstellung, die ein paar Jahre in Anspruch nahm, wurde diese Synagoge 1997 eingeweiht und heutzutage ist diese für verschiedene Kulturveranstaltungen vorgesehen.

Hřbitov

Ein bedeutendes Kulturdenkmal in Lomnice stellt der alte Judenfriedhof mit fast ein Tausend Steingrabsteinen dar, wobei der älteste Grabstein Anfang des 18. Jahrhunderts entstand.

An die längst vergangene Tradition der Gemeinde Lomnice als bedeutendes Zentrum der Textilproduktion schließt das derzeitige Werk an, das sich mit der Produktion der Möbelbespannstoffe beschäftigt. Und man kann erneut nicht den Schriftsteller Josef Uher vergessen, der ein jämmerliches Leben der hiesigen Weber an der Wende des 19. und 20. Jhds. in seinen prosaischen Werken schilderte. Sein Brustbild vom Bildhauer J. Vrzal wurde auf dem Judenplatz 1970 enthüllt.

Die Pfaden der einst lebenden Weber, die es gepflegt haben, ihr Werk über Berg und Tal mit ihren Schiebekarren an die Faktoren von Lomnice zu bringen, sind der Startpunkt zu Ausflügen auf den Berg Veselský chlum, Besenginsterhang unterhalb Synalov (Sinalow) oder an die Kirschengärten bei Rašov. Interessant findet man den weiteren Weg Besének flussabwärts, in dessen Tal zahlreiche Mühlgraben- und Teichdammreste darauf hindeuten, dass mit der von diesem kleinen Fluss erzeugenden Energie einige Mühlen sowie Sägewerke versorgt wurden. Auf dem Hang in der Nähe von Osiky (Ossik) fesselt unsere Aufmerksamkeit die malerische st. Stanislaus Barockkirche, die in der Nähe der Ruinen einer Burg liegt, die einst irrtümlich für die Burg Levnov gehalten wurde.

Lesy

In ausgedehnten Wäldern um Berg Sýkoř herum nördlich Lomnice blieben zahlreiche Reste natürlicher Laubwälder mit überwiegendem Buchenbestand erhalten, wobei es gelungen ist, einige Waldbereiche für Schutzgebiet zu erklären. Darunter fällt auch das Naturdenkmal Míchovec nad Křeptovem – felsiger Gneiskamm mit uraltem Schuttwald sowie mit massenhafter Erscheinung des Silberblatt Berggewächses (Lunaria rediviva).

Dub

In den durch die Wirtschaftstätigkeit umgewandelten Wäldern blieben alte Laubbäume als Zeugen der vergangenen Zeiten erhalten. Unter die ältesten fällt die „Žižka-Eiche“ oberhalb des Besének-Bachtales nördlich Šerkovice (Scherkowitz).

Unsere Aufmerksamkeit fesseln hier jedoch vor allem die ausgedehnten Wälder um Berg Sýkoř herum mit zahlreichen Resten alten Buchenwälder mit Ahornbäumen. Geschweige denn, dass dieses Gebiet mit einer ganzen Menge von interessanten Felsen und Schrofen durchgesetzt ist, die sich aus dem schichtweise zerfallenden Bítešer Gneis zusammensetzen! Einige dieser Felsen erinnern uns an die Ruinen der uralten Burgen – zum Beispiel Hrádky oberhalb des Schneeglöckchentales mit dem Bach Chlébský.

Nicht nur von dem auf dem Berg Sýkoř thronenden Fernmeldeturm – Dach der Region Tišnovsko genannt, sondern auch von einigen weiteren Bergen des Berglandes Sýkořská hornatina aus kann ein Ausblick auf das gesamte Gebiet Mährens genommen werden. Von den mit Weinbergen besäten Pollauer Bergen (Pálavské vrchy) aus bis zu den meistens mit Schnee bedeckten Kämmen des Gebirge Hrubý Jeseník (Altvatergebirge) und Králický Sněžník (Glatzer Schneegebige). In so einem breit ausgedehnten Landschaftsbild kann nicht einmal die Region Tišnovsko vergessen werden, eine wunderschöne, mannigfaltige und gastfreundliche Landschaft in der Mitte Mährens, die Ihnen in jeder beliebigen Jahresperiode bestimmt Freude bereiten kann.

Chlum

Ein schönes Beispiel für die herkömmliche Bestellung der nährstoffarmen Böden bietet der Gipfelkamm auf dem Berg Veselský chlum (578m) oberhalb des Dorfes Veselí bei Lomnice an. Hier blieb eine malerische Mosaik von Feldern, Obstgärten, Weiden und von den blütenreichen mit Gras und Getreide besäten Brachen erhalten, die ab und zu mit aufeinander geschichteten Mauern aus flachem Gneisgestein getrennt wird.