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Geschichte

Das Gebiet der heutigen Stadt Tišnov wurde bereits im Paläolithikum besiedelt, worauf die archäologischen Funde aus den Örtlichkeiten Klucanina und Dřínová hindeuten. Jeweilige schriftliche Quellen erinnern an Tišnov erstens im Jahre 1233 im Zusammenhang mit der Gründung des Zisterzienserklosters Porta coeli von der tschechischen Königin Konstanze in dessen unmittelbaren Nähe. Ursprünglich galt Tišnov als ein Marktdorf an einem wichtigen Landeshandelpfades. Nach der Klosterstiftung spendete der Markgraf Przemysl das Dorf Tišnov den Zisterzienserinnen, die dieses Eigentum bis zur Klosterauflösung im Jahre 1782 erhalten konnten. Noch im 13. Jhd. entwickelte sich Tišnov zu einem Städtchen, das sich immer wieder das Erscheinungsbild einer mittelalterlichen Stadt verschaffte. Im Jahre 1416 wurde vom König Wenzel IV. für Tišnov das Recht auf Veranstaltung eines Jubiläumsmarktes nach dem Muster der Brünner Messen eingeräumt. In Bezug aufs Kloster war für Tišnov das Jahr 1554 von Bedeutung, wo von der Äbtissin Barbora Konická aus Švábenice für Tišnov umfangreiche Rechte sowie Freiheiten eingeräumt wurden. Erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung dieses Städtchens wurde öfters durch Kriegs- und Naturkatastrophen beeinträchtigt. 1428 wurde das Städtchen sowie Kloster von Hussiten ausgebrannt, bezüglich der Kriegsschrecke wurde Tišnov am schwersten durch den Dreißigjährigen Krieg, Anwesenheit der französischen Truppen 1805 und 1809 und durch den preußisch-österreichischen Krieg vom 1866 belastet. Einige mal erlitt diese Stadt umfangreiche Brandfälle, wobei die wohl größte Feuerbrunst 1668 aufgezeichnet wurde. Im Zusammenhang mit der Errichtung eines regulierten Stadtamtes erhielt Tišnov 1788 den Status einer Stadt. Bis 1848 blieb diese Stadt ein Verwaltungszentrum in der Tišnover Herrschaft. Von einer großen Bedeutung für die Stadt war die Verkehrsaufnahme an der Eisenbahnstrecke nach Brünn im Jahre 1885 und nach Německý Brod (Deutsch Brod) 1905. 1896 wurde Tišnov zur Kreisstadt. 1895 wurde diese Stadt zum Luftkurort erklärt, 1899 wurde am Fuß des Waldes Klucanina ein Heilsanatorium errichtet und Tišnov wurde zum ausgesuchten Kurort sowie Startpunkt für Ausflüge in malerische Landschaft im Vorgebirge des Böhmisch-Mährischen Hügellandes. Sie wurde zum natürlichen Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kulturzentrum in diesem Bezirk.

Nach 1918 zeichnete die Stadt einen erheblichen Bauaufschwung auf. Hinter der Sokolturnhalle und unterhalb Klucanina fingen an neue Villenviertel aufzuwachsen, auf dem Marktplatz wurde1929 ein neues Amtsgerichtgebäude (heute Postamt und landwirtschaftliche Berufsschule) erbaut, auf dem Unterplatz wuchs 1932 - 33 ein Funktionalismusgebäude der Sparkasse nach dem Entwurf von Bohuslav Fuchs aus Brünn (heute Komerční banka) empor, das zum architektonischen Denkmal sowie einer der Stadtdominanten wurde. Zwecks Entwicklung der Interessentätigkeit wurde ein katholisches Haus errichtet und an die Sokolturnhalle eine Theatervorhalle mit einer großen Bühne angebaut. Um die Schulwesenentwicklung kümmerten sich neue Gebäude des 1920 gegründeten Gymnasiums, sowie die Handwerksschule. Darüber hinaus wurden neue Straßen aufgebaut, z.B. Richtung Předklášteří (Vorkloster), wo 1930 neue Brücke über die Schwarza errichtet wurde. Bauboomabhängig wuchs auch die Bevölkerungszahl – 1937 auf 4750.

Tišnov 1925 - 1935

Die Industrieproduktion in Tišnov sowie in der Region Tišnovsko zeichnete sich mit Kleinproduktionsmerkmalen aus. Diese Produktion wurde vor allem von Gewerbetreibenden sowie Handwerkern gepflegt, größere Betriebe wurden mit der Textilfabrik A. Řezáč, Gerberei Müller, Papierwerk Kopřiva in Předklášteří, Strickfabrik Ant. Mouka, Fa. Fulgur Elektromaschinenfertigung, Brennerei, Mühlen, Ziegelwerken vertreten und es gab hier auch eine ganze Reihe von kleineren Betrieben. Der Wirtschaftsaufschwung von Tišnov wurde dann in den 30. Jahren angehalten, die Stadt wies zu der Zeit erhebliche Schulden aus und verfügte über keine für ihre weitere Entwicklung erforderlichen Investitionsmittel.

Im laufe der 1. Republik konnte Tišnov ein reges Gemeinschafts- und Kulturleben aufzeichnen. Die Stadt erhielt eine Bahnverbindung mit Brünn, nach 1927 ging auch der Busverkehr im größeren T.G.M. v Tišnově Masse nach vorne. Dank dieses Busverkehrs konnte die gesamte Region vernetzt werden und zu ihrem Zentrum wurde Tišnov. Hier übte ihre Tätigkeit eine ganze Reihe von Vereinen, außerordentliche Aktivitäten übte vor allem der Sokol-Verein aus. Dieser Verein kümmerte sich um Veranstaltungen sprich Konzerte, Bälle, Akademien, Theaterspiele, Oper, und zwar mit Einschaltung, außer den heimischen Schwärmern, auch bekannter Brünner Künstler. Im Sommer 1934 konnte in Tišnov das Ensemble des Befreiten Theaters (Osvobozené divadlo) mit J. Voskovec, J. Werich und J. Ježek begrüßt werden. Von der Ortssektion des Vereins der tschechischen Touristen wurde 1934 bei der Teilnahme des Schauspielers Vlasta Burian auf dem Gipfel des Berges Klucanina ein Aussichtsturm in Betrieb genommen, der jedoch während der Besatzung zerstört wurde. Zum Höhepunkt der Gemeinschaftsaktivitäten in Tišnov wurde die großzügige Vorgebirgsausstellung vom Juli 1927, an der die gesamte Region teilnahm. Ein Jahr später, am 17. Juni 1928, konnte sich die Stadt über den Besuch des Präsidenten T.G. Masaryk freuen.

Po válce Gegen die deutsche Besatzung von 1939 hob sich ein Widerstand auch in der Region Tišnovsko empor. Damals entstanden viele Widerstandsorganisationen (Sokol, Volksschutz, L-Z-Gruppe, d.h. Legionäre und Verein Zbrojovák u.a.). In der Umgebung von Tišnov agierten seit 1943 einige Partisanengruppen (Jermak, Dritte tschechoslowakische Sturmtruppe u.a.), einige Soldaten nahmen ihre Kriegsaktivitäten in ausländischen Armeen auf, wie z.B. Piloten in England, in der tschechoslowakischen Heeresgruppe in Russland. Für die Befreiung brachte auch Tišnov ihre Opfer, 18 Bewohner von Tišnov wurden hingerichtet, 32 Juden- sowie Zigeunermitbürger wurden aus Rassengründen zum Tode gefoltert, 25 Menschenopfer sind auf die russischen Bombenangriffe vom 25.4.1945 zurückzuführen. Die Freiheit kam nach Tišnov erst am Abend den 9. Mai, wann die Stadt russische und rumänische Truppen betraten.

Náměstí v roce 1952 Nach dem Kriegs- und Besatzungsende wurden die vom Krieg verursachten Schäden behoben und der Neuaufbau wurde aufgekurbelt. Ende der 40. und 50. Jahre wurde eine neue Schule (Smíškova Str.), Wohnungen und Straßen errichtet, bedeutsam war die Modernisierung der Eisenbahnstrecke Brünn - Havl. Brod (doppelgleisig). Am 1.1.1953 schloss sich die bisher selbständige Gemeinde Předklášteří mit Tišnov zusammen, später wurden auch andere Gemeinden angegliedert. 1951-55 wurde neue Kreisstraße aus Brünn direkt nach Předklášteří mit einer Nebenstraße nach Tišnov und einer neuen Brücke über die Schwarza, errichtet, wobei der Verkehr in der Richtung Brünn - Nové Město na Moravě außerhalb des Stadtzentrums gebracht wurde. 1957 erfolgte ein Probebetrieb des neu gebauten Freibades.

Die 60. Jahre brachten weitere Änderungen. Seit dem 1.1.1960 wurde der Kreis Tišnov aufgelöst und die Stadt wurde zum Bestandteil des Kreises Brünn-Land. Auf die Regionsentwicklung wirkten sich bedeutend die im Böhmisch-Mährischen Hügelland entdeckten Uranerzfundorte aus. Für die Mitarbeiter der Uranminen errichtete man eine neue Siedlung unterhalb Klucanina, Ende der 60. Jahre wurde der Aufbau der Siedlung U Humpolky aufgenommen, 1966 erfolgte die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Brünn-Havl. Brod, 1969 nahm man den Vorbau für die Stadtgasversorgung auf. 1970 hatte Tišnov 8263 Bewohner.

In den 70. und 80. Jahren wurde eine weitere Siedlung unterhalb Květnice, neue Schule auf dem Platz 28.října, Sporthalle, Schlepplift auf dem Berg Klínek, Automobilklub am Freibad, Netzwerk von Schulen und Geschäften erbaut. Zum 1.7.1980 wurden Tišnov weitere 6 Gemeinden (Hradčany (Radschans), Štěpánovice (Stiepanowitz), Lomnička (Kleinlomnitz) u.a.) beigefügt. Neue integrierte Stadt Tišnov wies zu demselben Tag 12022 Bewohner. 1972 wurde im Berg Květnice eine Tropfsteinhöhle entdeckt, die nach dem Tišnover Höhlenforscher Král benannt wurde. Seit 1976 werden in Tišnov regelmäßige weltbekannte Mineralienbörsen veranstaltet. Im Kulturbereich war bedeutsam die Ausstellungstätigkeit des Freundeskreises der bildenden Künste, Theatervorstellungen des Karas Theaters, für die Sportliebhaber gab es das Wettbewerb Tišnover Fünfzig Kilometer, Rallyesport im Rahmen des Wettbewerbs Rallye Vysočina, die Sporthalle konnte die Europameisterschaften in Volleyball, Radball und Kunstradfahren u.a. begrüßen.

Inzwischen haben das letzte Kapitel der Geschichte der Stadt Tišnov die 90. Jahre geschrieben. Die Stadt wird erneut von einem Stadtamt verwaltet, das vom Bürgermeister und Stadtvertretung regiert wird. Die Betriebe und Gewerben vor Ort kehrten in Privatbesitz zurück, die Stadt wurde durch verbesserte Bürgersteige sowie Hausfassaden schöner. Die meisten integrierten Gemeinden entschieden sich, ihre Verwaltung in eigene Hände zurück zu nehmen und die Bewohnerzahl nahm erneut ab bis zu heutigen 8500 Einwohnern. Die Idee, den Kreis Tišnov wiederherzustellen, konnte bisher noch nicht durchgesetzt werden. Tišnov wird wohl nach der Erlassung von der Staatsverwaltungsreform zum Gemeindebezirk, der für weitere Entwicklungsperspektiven viel versprechend ist.